Nano
Nano von Phillip P. Peterson ist ein Techthriller, der den Ausbruch von Nanomaschinen aus einer vermeintlich sicheren Umgebung, die Ausbreitung und der damit einhergehenden Gefahr für die Menschen, erzählt. Ein Terroranschlag auf ein Forschungsinstitut in Deutschland beschädigt einen Lithium-Behälter, der eigentlich verhindern sollte, dass Nanomaschinen unkontrolliert in die Umwelt gelangen. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Katastrophe seinen Lauf. Nanobots werden außerhalb des Forschungsinstituts in kleinen Mengen entdeckt. Der Versuch, die Nanobots unschädlich zu machen, gelingt zunächst mit einer leicht radioaktiven Bestrahlung der Ausbruchherde. Kurze Zeit danach flammt die Aktivität der Nanomaschinen wieder auf und sie setzen ihr zerstörerisches Werk fort. Dabei zersetzen sie die Materialen jedweder Art (außer Lithium) und gewinnen so Ressourcen, die sie zur eigenen Replikation verwenden.
Andrew, der leitende Nano-Forscher und einer der Protagonisten, weist Einsatzkräfte an, die Strahlendosis zu erhöhen. Der Effekt ist nicht wie erwartet, die ersten Nanomaschinen mutieren, werden immun gegen die Strahlung. Die Ausbreitung kann nicht mehr kontrolliert werden, es fehlt an Ressourcen jeglicher Art. USA und Russland machen Druck auf Deutschland, die Ausbreitung der Nanomaschinen so schnell wie möglich zu stoppen, bevor eine noch größere Katastrophe entsteht. Jede weitere Maßnahme schlägt fehl, der Ausbruch schreitet immer weiter voran, letztendlich kommt es zur Entscheidung, eine Atombombe einzusetzen, die von Russland bereitgestellt wird. Dabei sterben sehr viele Menschen (Tiere werden mit keinem Wort erwähnt), ein Teil von Köln ist dem Erdboden gleich und wird für lange Zeit nicht mehr benutz- und bewohnbar sein.
Zunächst sieht es so aus, als dass die radioaktive Strahlung der Atombombe die Nanomaschinen unschädlich gemacht hat. Aber schon kurze Zeit später werden neue Aktivitäten der Nanomaschinen entdeckt, daren Wachstum nun sogar noch beschleunigt. Einige Nanobots (wir reden hier von tausenden oder gar Abermillionen) waren immun gegen die Strahlung und die Hitze, die die Atombombe bei der Explosion erzeugte. Sie mutierten nach dem darwinistischen Prinzip, demnach nur die Stärksten überleben. Das Ende der Menschheit schien nahe. Wenn diese kleinen Bots nicht gestoppt werden, werden sie alles, was ihnen in die Quere kommt, zersetzen und die Menschheit auslöschen. Die Erde, wie wir sie kennen, wird es so in naher Zukunft nicht mehr geben. Angesichts dieser bedrohlichen Aussicht auf die Zukunft, kommt es in Deutschland und in angrenzenden Ländern zu großer Panik in der Bevölkerung. Menschen flüchten, plündern, morden, begehen Suizide, werden in Lagern gehalten. Die Nanobots fressen sich immer weiter und weiter durch das Land, machen vor nichts und niemandem halt...
Wichtig: es fehlt ein wichtiger Erzählstrang, den ich hier bewusst nicht erwähne, aber für das Ende der Geschichte essentiell ist.
Mein Fazit:
Der Thriller ist durchaus spannend geschrieben (Stichwort page-turner), aber teilweise ein wenig schablonenhaft und zu geradlinig für meinen Geschmack. Obwohl mit 700 Seiten wahrlich kein kurzer Roman, wirkt er etwas eindimensional. Der Autor geht nur an wenigen Stellen detaillierter auf das Beschriebene ein, meist belässt er es bei einer leicht lesbaren Oberflächlichkeit. Hier hätte ich mir etwas mehr Wortgewalt und Tiefgang gewünscht.
Dennoch, auch wenn man oft glaubt zu wissen, wie der Autor thematisch und mit welchen schreiberischen Mitteln die Geschichte weitererzählen wird, der große Spannungsbogen wird bis zum Schluss aufrecht erhalten. Dazwischen nimmt er einen wellenartigen Verlauf, mit Aufs und Abs, aber leider manchmal auch sehr vorhersehbar. Man liest trotzdem weiter und hofft, eine Bestätigung der eigenen These darüber, wie es wohl weitergeht, zu erhalten. Zumindest ging es mir so. Das Ende ist dann leider auch wenig überraschend und wirkt so, als wären Zeit und/oder Seiten ausgegangen.
Mich hat der Thriller, den man auch ruhigen Gewissens in der Hard-Scifi-Ecke verorten kann, gleich an 2 Romane von Andreas Eschbach erinnert, zum einen an "Herr aller Dinge", in der selbstreplizierende Naniten eine große Rolle spielen und zum anderen an "Ausgebrannt", in dem eine Rohöl-Knappheit Wirtschaft und Gesellschaft in grosses Chaos stürzt. Der Weg, wie die Katastrophe entsteht, zunächst im Kleinen und dann immer größere Kreise ziehend, wird darin ähnlich erzählt. "Blackout" von Marc Elsberg fällt auch in diese Kategorie.
Ich kann mir gut vorstellen, weitere Romane von Phillip P. Peterson zu lesen, Nano hat mich als Hard-Scifi-Fan im Großen und Ganzen überzeugt.
22. August 2026
Alfred Bösch
4 / 5