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Fiasko

Fiktionen
Buch-Autor: Tony Tulathimutte

Fiasko ist kein Roman, sondern eine Sammlung von Geschichten. Darin geht es um Zurückweisung, Identifikation, unterdrückte Gefühle und leider irgendwie auch darum, einen zeitgeistigen Jugendsprech zu transportieren (nicht, dass ich darauf gewartet hätte...). Ob dieser "Dialekt" nun tatsächlich der Weisheit letzter Schluss war, vermag ich nicht zu beurteilen. Jedenfalls waren die Geschichten dadurch mitunter mühsam zu lesen. Der Grund für dessen Verwendung erschloss sich mir bis zum Ende des Buchs nicht. Vermutlich spricht man in bestimmten Kreisen so...

Die Kritiken über dieses Buch sind teils geradezu euphorisch und gespickt mit Superlativen. Sicher, der Roman ist ein insgesamt hervorragend und kreativ geschriebenes, zeitgeistiges Protokoll unserer Zeit. Um die Inhalte zu vermitteln, hat sich der Autor teils kruder Beschreibungen bemüht, hat den Schleier dann auch einfach weggezogen, um dem Leser einen unverstellten Blick auf das dargebotene Elend zu ermöglichen. Aber die Geschichten lassen einen stellenweise im Regen stehen, Auflösungen über das Wie, Weshalb, Warum gibt es nicht. Natürlich haben die Geschichten Enden, z. T. durchaus schockierende. Die Intention des Autors blieb mir aber bis zum Schluss schleierhaft. Streckenweise hat das Buch sogar gewirkt, als würde der Autor einem seine eigene Frustration und das einer ganzen Generation wie rohes, unverdauliches Fleisch zur Begaffung vorwerfen. Woher die Frustration kommt? Möglichkeiten, siehe Buch.

Nichtsdestotrotz hatte ich Spaß beim Lesen des Buchs, auch wenn ich viele der denglischen Begriffe nicht verstand. Sie nachzuschlagen, war es mir nicht Wert. Vielleicht bin ich zu alt, vielleicht ist es mir aber auch einfach egal, was die Ausdrücke bedeuten. Als Mensch mit der Fähigkeit, Kontext zu erfassen, hatte ich mir erlaubt, einfach mein eigenes Verständnis der Begriffe im "Lückentext" zu ergänzen. Dieses Vorgehen scheint irgendwie funktioniert zu haben, ich bin bis zum letzten Dankeswort drangeblieben.

Mein Fazit:

Muss man das gelesen haben, um mitreden zu können? Muss man das gelesen haben, um zu verstehen, was die aktuelle Zeit und ihre Begleiterscheinungen mit jungen Menschen macht? Beide überflüssigen Fragen würde ich mit einem klaren Nein beantworten. Aber unterhaltsam und kurzweilig war "Fiasko" allemal. Vielleicht habe ich es auch nicht verstanden. Die rotzig hingeworfene Fremdwort-Dichte und die enorm kompakte Schreibweise, stellen eine durchaus hohe Hürde bei der Lektüre dieses Buchs dar. Zumindest ging es mir so. Von mir gibt es dafür eine solide 4. 

Bewertet am:
17. September 2026
Bewertet von:
Alfred Bösch
Bewertung:
4 / 5